Baugenehmigung für Terrassenüberdachungen – Was ist zu beachten?

2
31551
versicherung für eine terrassenüberdachung - mann unterschreibt vertrag
© jannoon028 - shutterstock.com

Die Integrierung einer fest etablierten Überdachung auf der Terrasse stellt ein Bauvorhaben dar, das mit den baurechtlichen Bestimmungen sowie öffentlich-rechtlichen Vorschriften in Einklang stehen muss und unter Umständen einer ordnungsgemäßen Baugenehmigung für Terrassenüberdachungen bedarf. Das Baurecht ist bezüglich der Terrassenüberdachung in den Landesbauordnungen der einzelnen Bundesländer sehr unterschiedlich geregelt. Die Genehmigungspflicht ist in fast allen Bundesländern durch die Festlegung bestimmter Maße entschärft worden, doch wäre es ein großer Fehler auf die Prüfung gesetzlicher Vorschriften und das Einholen umfassender Informationen zu verzichten.

Wird die jeweilige Überdachung als ein „Verfahren freies Bauvorhaben“ deklariert, sollte man sich nicht zu früh freuen, denn es gilt, weitere Vorschriften als die Notwendigkeit eines Bauantrages für die Überdachung zu beachten und eigenverantwortlich zu prüfen. Der Weg zum Bauamt ist unumgänglich, möchte man Rechtssicherheit erlangen und rechtskonform bauen!

Terrassenüberdachung

Terrassenüberdachung mit Sicherheitsglas

Bauerlaubnis aus der Sicht des Baurechts

Baurechtlich ist eine Terrassenüberdachung eine zu ebener Erde liegende Errichtung, Anbau- oder Umbaumaßnahme, sowie Änderung an einem Gebäude und trifft damit auf die gesetzlichen Vorschriften des Bauordnungsrechts und Bauplanungsrechts. Soll eine Überdachung abseits eines Gebäudes freistehend aufgebaut und damit unbebaute Flächen überbaut werden, gelten ähnliche baurechtliche Vorschriften wie bei einem Carport, die ebenfalls in der jeweiligen Landesbauordnung und den Satzungen der betreffenden Gemeinde geregelt sind.

Entscheidungskriterien Bauerlaubnis

  • Region (Innen- oder Außenbereich)
  • Größe
  • fiktives Raumvolumen

Beispiel für "genehmigungsfreies Vorhaben"

  • auch „verfahrensfreies BaKeuvorhaben“ oder „baugenehmigungsfreies Vorhaben“
  • Grundfläche von bspw. 30m² nicht überdacht
  • maximal festgelegte Tiefe (Breite der Überdachung) von bspw. 3m nicht überschreiten
  • kann auch an Kubikmetern wie bspw. 50m³ gemessen werden
  • Erscheint die geplante Überdachung aufgrund ihres Formats als genehmigungsfrei, so ist diese Regelung hinfällig, wenn sie Teil eines genehmigungspflichtigen Gesamtvorhabens ist

Denkmalschutz

Sollte die geplante Umbaumaßnahme selbst keiner Baulizenz bedürfen, müssen dennoch eventuell andere Genehmigungen eingeholt werden, wie beispielsweise eine denkmalschutzrechtliche Zulassung für den Anbau an oder in der Nähe von Baudenkmälern oder Bewilligungen nach dem Naturschutzgesetz.

Verantwortlichkeit

Die Genehmigungsfreiheit bezieht sich ausschließlich auf das prüfende Verwaltungsverfahren, das durch einen Bauantrag eingeleitet wird. Die Einhaltung sämtlicher baurechtlichen und bauplanungsrechtlichen Vorschriften, öffentlich-rechtlichen Bestimmungen und sonstiger Gesetze obliegt dem Bauherrn eigenverantwortlich. Bei Nichteinhaltung und Widerrechtlichkeit drohen eine Prüfung durch die Bauaufsichtsbehörde, Ordnungsstrafen und der Abriss der Terrassenüberdachung.

carport-baugenehmigung

Gesetzliche Bestimmungen, die immer einzuhalten sind

Ist keine Baulizenz erforderlich, sind dennoch weitere gesetzliche Bestimmungen auf eigene Faust zu prüfen und eigenverantwortlich einzuhalten.

Zunächst ist die Zulassung nach den bauplanungsrechtlichen Bestimmungen zu prüfen und die Auflagen genauestens einzuhalten. Aufschluss gibt der Bebauungsplan der Gemeinde. Entspricht das Bauvorhaben nicht dem Bebauungsplan, kann ein Antrag auf Befreiung von der Festsetzung des Bebauungsplans gestellt werden, auch wenn die Terrassenüberdachung selbst keiner Genehmigung bedarf. Existiert kein Bebauungsplan, dann gilt die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit nach §34 Baugesetzbuch (BauGB) auf Bundesebene.

Auch wenn die Zulässigkeit nicht vom Bauamt geprüft wird und der Bau nicht durch eine Bauerlaubnis bewilligt werden muss, sind sämtliche Vorschriften der jeweiligen Landesbauordnung einzuhalten. Dazu gehören insbesondere die gesetzlichen Bestimmungen zu:

  • den Abstandsflächen
  • zum Brandschutz
  • den statischen Anforderungen
  • den zugelassenen Baustoffen

Da diese eigenverantwortliche Prüfung ein fachlich sehr anspruchsvolles und teilweise auch komplexes Unterfangen darstellt, ist es zu empfehlen eine Beratung bei der Baubehörde oder versierten Fachleuten wie bauvorlageberechtigte Architekten oder Ingenieure zu nutzen.

Genehmigungspflicht & Regelungen in den einzelnen Bundesländern

Als verfahrensfreie Bauvorhaben gelten Terrassenüberdachungen in den jeweiligen Bundesländern nachfolgenden Kriterien:

  • Baden-Württemberg: im Innenbereich bis zu einer Grundfläche von 30 Quadratmetern.
  • Bayern: einer Fläche von 30 m² und einer Tiefe von 3 Metern
  • Berlin: einer Fläche von 30 m² und einer Tiefe bis 3 m²
  • Brandenburg: mit maximal 20 m² Grundfläche und 75 m³ umbautem Raum.
  • Bremen: bis zu einer Tiefe von 3 Metern.
  • Hamburg: Terrassenüberdachungen mit einer Fläche von 30 m² und einer Tiefe von 3 m² sowie bei untergeordneten Überdachungen
  • Hessen: Terrassenüberdachungen und Teilverglasungen von erdgeschossigen Terrassen der Gebäudeklassen 1 bis 3 mit einem Mindestabstand von 3 Metern zur Nachbargrenze und unter Vorbehalt des Abschnitts V Nr. 3 § 55 HBO.
  • Mecklenburg-Vorpommern: bis zu einer Fläche von 30 m² und bis zu 3 Meter Tiefe
  • Niedersachsen: mit nicht mehr als 30 m² Grundfläche und 3 m Tiefe
  • Nordrhein-Westfalen: einer Fläche bis maximal 30 m² und 3 Metern Tiefe
  • Rheinland-Pfalz: Zu ebener Erde liegende unbeheizte Anbauten wie Terrassenüberdachungen oder Wintergärten bis zu 50 m³ umbauten Raums.
  • Saarland: einer Fläche bis maximal 36 m² und 3 m Tiefe
  • Sachsen: maximal 30 m² Fläche und 3 Meter Tiefe
  • Sachsen-Anhalt: einer Fläche bis zu 30 m² und einer Tiefe von 3 Metern
  • Schleswig-Holstein: ebenerdige Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis zu 30 m² und einer Tiefe bis zu 3 Metern.
  • Thüringen: einer Fläche bis maximal 30 m² und 4 m Tiefe.

Der Gang zum Bauamt – Informationen, schriftliche Bestätigung, Antragsformulare

Es ist zu empfehlen, sich genau beim zuständigen Bauamt über die baurechtlichen und bauplanungsrechtlichen Bestimmungen zu informieren sowie beraten zu lassen und sich gegebenenfalls auch von fachkundigen Mitarbeitern eine amtliche Bestätigung einzuholen, dass keine Baugenehmigung erforderlich ist. Muss man sich zu einem späteren Zeitpunkt auf die erhaltene Information berufen, reicht eine mündliche Aussage nicht aus. Es kann für den Anbau einer Terrassenüberdachung auch eine kostenpflichtige Bauvoranfrage gestellt werden. Muss ein Bauantrag oder eine Bauanzeige gestellt werden, sind die dafür notwendigen Antragsformulare und Informationen ebenfalls beim Baurechtsamt erhältlich.

2 KOMMENTARE

  1. Wo in Niedersachsen muß ich eine Baugenehmigung für eine Terrassen Überdachung anfordern?
    Oder eine Bestätigung das keine Genehmigung erforderlich ist, da die Überdachung weniger als 30 m2 beträgt?
    Vielen Dank
    M. Much

    • Liebe Frau Much,

      sehr gerne helfen wir Ihnen bei dieser Fragestellung weiter. Wir würden dies jedoch gerne persönlich mit Ihnen abklären. Bitte melden Sie sich doch telefonisch unter der 05903-258930 bei uns.

      Wir freuen uns auf Ihren Anruf.
      Herzliche Grüße,
      Ihr steda-Team

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

*