Was ist bei der Konstruktion einer Terrassenüberdachung zu beachten?

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© Ekaterina Lin - shutterstock.com

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Modelle von Terrassenüberdachungen sowie zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten des Bauwerks und der Ausstattung. Doch stehen bei der Anschaffung nicht nur individuelle Vorlieben und der optische Eindruck im Vordergrund, sondern insbesondere bestimmte technische Aspekte, die es bei der Planung, Wahl und Zusammensetzung der Konstruktion zu beachten gilt.

Einflussfaktoren der Umgebung

Bei der Planung des Entwurfs ist zunächst zu empfehlen, sich die Umgebung genau anzusehen, denn bestimmte Faktoren entscheiden über die Art, die Form, die Größe sowie auch die Zusammenstellung und Ausstattung.

Eine Überdachung kann als Anbau an eine Hauswand oder eine Mauer konzipiert werden sowie auch als nach allen Seiten hin freistehende Gebilde. Bei einem Wandanbau, bei dem das Terrassendach zusätzlich zu den Trägerpfosten von einer oder mehreren Wänden mitgetragen wird, kann die Fläche des Terrassendaches kleiner ausfallen, als bei freistehenden Anlagen. Zu prüfen ist bei diesen Modellkonstruktionen, ob die betreffende Wand für den Anbau die notwendige Tragfähigkeit, Stabilität und Belastbarkeit aufweist. Hat die Wand diesbezüglich eine eher ungünstige Beschaffenheit, sollten bei der Terrassenüberdachung zusätzlich stützende Wandpfosten in die Baulichkeit integriert werden.

Freistehende Varianten sollten in ihrem Umfang passend zum überdachenden Flächenbedarf größtmöglich angelegt werden. Dieses Modell bedarf oft einer zusätzlichen Aussteifung im Gegensatz zu einem Wandanbau. Standpfosten müssen sehr gut verankert werden. Es ist auch zu empfehlen, in der Länge und Breite der frei stehenden Anlage jeweils mindestens 1 m zusätzlich über der zu überdachenden Fläche einzuplanen. Dies gewährleistet einen höheren Schutz und verhindert, dass Regen unter das Terrassendach auf die Terrasse strömt. Sie sollte unter keinen Umständen zu knapp bemessen werden. Es ist bei Wandanbauten wie auch freistehenden Gebilden darauf zu achten, dass die Konstruktion das Terrassenformat ein Stück weit überschattet und mindestens 50 Zentimeter größer ist.

Zur Umgebung der Terrassenüberdachung gehören auch eventuelle Fenster in Hauswänden, an die die Anlage grenzt oder angelehnt ist. Zu bedenken ist, dass die Terrassenüberdachung auch die Fenster beschattet und demzufolge durch gering einfallendes Tageslicht die dahinterliegenden Räume stark verdunkelt. Zu empfehlen ist, in diesem Fall eine Baulichkeit mit einem lichtdurchlässigen Terrassendach. Bei zu starker Sonneneinstrahlung und Bedarf kann eine passende Beschattungsanlage Abhilfe schaffen.

Soll die Baulichkeit in einer sehr schneereichen und/oder stark Wind belasteten Region errichtet werden, muss die Umsetzung für entsprechend hohe Schneelasten und Windstärken konzipiert sein.

Wichtige Aspekte zum Material und Terrassendach

Bauwerke können aus verschiedenen Materialien bestehen, wobei für die Herstellung in der Regel Holz, Aluminium, Stahl oder auch eine Kombination verwendet wird. Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass sie in Stil und Material zum Haus und der Umgebung passt. Beispielsweise harmoniert mit einem Fachwerkhaus oder einem alten Landhaus ein Holzkonzept und mit einem modernen Baustil beziehungsweise einer modernen Bauweise oft eine filigrane Aluminium- oder Stahlkonstruktion sehr gut. In sehr vielen Fällen passen stilistisch jedoch auch alle Optionen. Jedes Material übt aufgrund spezieller Eigenschaften einen bestimmten Einfluss aus, wobei auf Qualität, Eignung und Beschaffenheit geachtet werden muss, da dies entscheidend für die Stabilität, Sicherheit und Langlebigkeit der Anfertigung ist.

Bei der Montage ist darauf zu achten, dass diese nur aus einer geeigneten Holzart wie robuste widerstandsfähige nordländische Nadelhölzer in Form von Konstruktionsvollholz oder Leimholz (Brettschichtholz) gefertigt ist. Sehr häufig wird hochwertig verarbeitetes Leimholz verwendet, da dies Rissbildungen und Schwindungen vermeidet und eine sehr gute Tragfähigkeit und Stabilität aufweist. Die Holzzusammensetzung muss mit schützenden Holzlasuren oder natürlichen Holzschutzölen und einem UV-Schutz imprägniert sein, um eine Verrottung durch Wetter- und Umwelteinflüsse zu verhindern.

Aluminium ist von Natur aus ein leichtes und relativ weiches Material, weswegen auf eine hochwertige Beschaffenheit und eine spezielle Verarbeitung zu achten ist, da sich sonst die Terrassenüberdachung unter dem Einfluss hoher Lasten und Belastungen verformen und einbrechen kann. Die Aluminiumanfertigung darf nicht unterdimensioniert sein, nicht zum Durchhängen neigen und muss belastungsfähig sein. Die Pfosten und Träger müssen massiv, kräftig, stark und von hoher Qualität sein. Die Beschaffenheit der Aluminiumprofile entscheidet über die Tragfähigkeit, insbesondere bei einer schweren Dachhaut wie Glas und sehr großen Überdachungen, da diese ein hohes Gewicht verursachen. Die gesamte Struktur aus Aluminium muss zum Schutz vor Korrosion hochwertig pulverbeschichtet oder mittels anodische Oxidation eloxiert sein. Wer eine Aluminium Variante in einer sehr emissionsreichen Umgebung oder Gegend mit sehr salzhaltiger oder chlorhaltiger Luft errichten möchte, sollte darauf achten, dass die Konzeption zum Schutz vor einer Filiformkorrosion mit einer Voranodisation vorbehandelt wurde.

Eine Stahlkonstruktion stellt ein sehr belastungsfähiges und zunehmend beliebtes Modell dar, da der Werkstoff über eine extrem hohe Festigkeit, Stabilität und Robustheit verfügt. Speziell für eine sehr großflächig geplante Projektierung mit hohen Spannweiten, einem schweren Glasdach, einer frei stehenden Baulichkeit sowie für schnee- und sturmreiche Gebiete eignet sich das Material hervorragend. Die Stahlprofile überbrücken große Spannweiten, wodurch weniger Pfosten benötigt werden, zeichnen sich durch eine sehr gute Biegestabilität aus und bedürfen oft keiner dicken Träger, sondern können eine häufig bevorzugte schlanke Gestalt annehmen. Es ist jedoch auch bei einer Stahlkonstruktion darauf zu achten, dass diese sehr gut vor Korrosion und Rost geschützt ist. Sie muss aus feuerverzinktem Stahl (Beschichtung durch geschmolzenes Zink) oder mit einer Aluminium-Zink-Schicht überzogen sein. Auch die Verbindungsstücke müssen aus einem korrosionsbeständigen Material wie Edelstahl bestehen. Eine kostspielige aber ewig währende Stahlanfertigung stellt ein Modell komplett aus rostfreiem Edelstahl dar. Dieser Edelstahl verfügt zusätzlich über einen gern gesehenen Glanz und eine absolute Widerstandsfähigkeit gegen Witterung, Rost und Korrosion.

Die Konstruktionen von Terrassenüberdachungen können mit ganz unterschiedlichen Dachformen wie Runddächer, Satteldächer oder Flachdächer versehen werden. Soll für die Zusammensetzung ein Flachdach gewählt werden, ist darauf zu achten, dass eine bestimmte Neigung einkalkuliert wird und auch bei einer ebenen Dachvariante, dennoch ein Gefälle integriert ist. Sowohl Regenwasser als auch Schnee müssen vom Dach abfließen können, da deren angestautes Gewicht die Anlage zum Einsturz bringen kann. Die Dachhaut vom Terrassendach kann mit verschiedenen Materialien eingedeckt werden, wobei zu den meist genutzten, Glas oder Doppelstegplatten aus Kunststoff gehören. Ein Glasdach muss aus einem bruchsicheren „Verbundsicherheitsglas (VSG)“ oder bei hohen Sicherheitsanforderungen auch „Verbundsicherheitsglas aus teilvorgespanntem Glas (TVG)“ bestehen, wobei hinsichtlich der Skizze zu beachten ist, dass es vom Gewicht schwerer ist als ein mit Doppelstegplatten eingedecktes Terrassendach. Die Dachhaut muss bestimmten Schneelasten standhalten. Die gesamte Traglast muss berücksichtigt werden.

Eine rundum stimmige und stabile Statik

Die Konzeption muss statisch optimal kalkuliert werden und ist dabei so zu dimensionieren, dass die Größe, die Form, das Gesamtgewicht sowie die einwirkenden Lasten und Kräfte, die Tragfähigkeit nicht beeinträchtigen. Dazu müssen die einzelnen Bauteile über entsprechende Baustoffe, Dimensionen, Querschnittswerte, Profile und Bewehrungen verfügen sowie in bestimmter Art, Anzahl und Abständen angeordnet und positioniert sein. Für die Baulichkeit der Terrassenüberdachung ist ebenfalls ein geeignetes Fundament und Verankerung notwendig. Grundsätzlich müssen die örtlichen Bauvorschriften beachtet und gegebenenfalls eine Baugenehmigung eingeholt werden, für die unter anderem ein statischer Nachweis erforderlich ist.

Im Zeitalter starker Klimaveränderungen ist zunehmend mit extremen Wetterverhältnissen und unerwarteten Wettereinbrüchen zu rechnen. Häufig vorkommende und starke Stürme, lange oder intensive Regenzeiten und zuweilen hohe Schneelasten sind keine Seltenheit mehr und sollten grundsätzlich, vor allem für bestimmte Regionen, in der Statik, der Zusammenstellung und dem Aufbau einkalkuliert werden.

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