Zaunhöhe – was ist typisch, was ist erlaubt?

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Gartenzaun-Straße

Beim Thema Gartenzaun, Sichtschutz und Zaunhöhe kann es schnell zu Streitigkeiten unter Nachbarn kommen. Was dem einen zu hoch ist, ist dem anderen nicht hoch genug, was dem einen willkommener Sichtschutz ist, nimmt dem anderen zu viel Licht. Was sagt das Gesetz zu derartigen Meinungsverschiedenheiten? Was müssen Eigenheimbesitzer bezüglich Grundstücksgrenze, Einfriedung und Zaunhöhe beachten – und was ist typisch, was ist erlaubt? steda gibt Antworten auf die wichtigsten Grenzfragen.

Zaunhöhe, wo wird gemessen?

Bevor geklärt werden kann, wie hoch ein Zaun oder eine Mauer an der Grundstücksgrenze sein darf, muss definiert werden, wie die Höhe überhaupt ermittelt wird. Ab wo also misst man eigentlich die Höhe des Zauns?

Grundsätzlich gilt hier: Die Zaunhöhe wird von der natürlichen, gewachsenen Geländeoberfläche aus gemessen. Findet sich beispielsweise auf Ihrem Grundstück ein nachträglich hinzugefügter Graben oder eine künstlich angelegte Aufschüttung, werden diese nicht als Maßstab herangezogen, sondern die ursprüngliche Geländeoberfläche.

Richtlinien der Zaunhöhe nach Bundesländern

Ob Zaun, Hecke oder Mauer – die wichtigsten Fragen rund um Eigentum, Immobilien und Grundstück regelt in Deutschland das Bürgerliche Gesetzbuch ab § 903 bis 924. Alle Detailfragen, die darüber hinausgehen, fallen unter das sogenannte Nachbarrecht und sind somit Ländersache, teilweise sogar Angelegenheiten der Kommunen und Gemeinden. Die meisten Bundesländer haben eigene Anforderungen, Regelungen, Richtlinien und Vorschriften bezüglich Hecken, Zäunen und Mauern.

Grundsätzliches im Überblick:

  • In Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen sind Eigentümer beispielsweise dazu verpflichtet ihr Grundstück zu umzäunen, also mit einem Zaun oder einer anderen Grenzmarkierung zu versehen.
  • In Berlin, Hessen und Schleswig-Holstein hingegen ist eine Umzäunung nur dann Pflicht, wenn der Nachbar darauf besteht. In diesem Fall werden die Kosten von beiden Nachbarn zu gleichen Teilen getragen, auch wenn nur ein Nachbar die Begrenzung wünscht.

Auch die Frage nach der maximalen Höhe eines Gartenzauns oder Grundstücksbegrenzung ist Ländersache. Grundsätzlich fahren Sie immer gut damit, wenn Sie sich an der ortsüblichen Einfriedung orientieren. Schauen Sie sich in Ihrem Viertel um und finden Sie heraus, welcher Art der Umzäunung oder Einfriedung mit Hecken und Bäumen vertreten und üblich ist. Von Gemeinden und Ländern wird stets angestrebt, das bestehende Straßenbild zu erhalten. So werden Sie kaum etwas falsch machen, wenn sich ihre Mauer, ihr Sichtschutzzaun oder die Hecke harmonisch in das Gesamtbild der umliegenden Straßen einfügt. Das Gesetz spricht hier von der sogenannten Ortsüblichkeit. Auch die Frage nach der Höhe des Zauns beantwortet sich damit schnell: Wenn an den Vorgärten ringsum ein 80 Zentimeter hoher Zaun die Grundstücksgrenze kennzeichnet, werden Sie mit einem 2-Meter-Sichtschutz aus dem Rahmen fallen und das Erscheinungsbild der Umgebung irritieren oder stören.

Die Länder unterscheiden zwischen mehreren Detailfragen:

  • Soll der Zaun, Mauer oder Hecke als symbolische Grenze zum Nachbargrundstück dienen?
  • Soll die Funktion eines Sichtschutzes erfüllt werden?
  • Geht der Zaun zur Straße oder einen öffentlichen Verkehrsfläche hinaus?
  • Handelt es sich um die Grundstücksgrenze zum Nachbarn?

Wenn der Zaun oder die Hecke eine symbolische Grenze zum Nachbargrundstück bilden soll, gilt im Schnitt eine Höhe von 40 bis 90 Zentimetern als üblich. Soll gleichzeitig die Funktion des Sichtschutzes erfüllt werden, können Sie höher stapeln: zwischen 170 und 190 Zentimetern sind möglich. Ähnlich verhält es sich bei Einfriedungen zur Straße hin: Hier sind Zäune und Sichtschutz bis zu 180 Zentimetern möglich.

Die meisten Streitfragen rund um Einfriedung, Sichtschutz und Gartenzaun entstehen, wenn sich eine Partei nicht an die ortsübliche Gestaltung hält. Halten Sie sich an die Gepflogenheiten in der direkten Nachbarschaft, gehen Sie automatisch auf Nummer sicher. Bevor Sie jedoch anfangen, eine Mauer oder einen aufwendigen Sichtschutz zu bauen, fragen Sie im Zweifelsfall immer einen Anwalt, der sich mit den Rechtsfragen auskennt. Wollen Sie eine Begrenzung errichten, die höher als Ortsüblich ist, ist beispielsweise eine Baugenehmigung notwendig – auch für ein größeres Gartenhaus ist das in manchen Ländern der Fall. Eine Rechtsberatung kann im Vorfeld helfen, Ärger und Streitigkeiten im Nachgang zu vermeiden.

Aufgepasst: In manchen Einzelfällen sind die Detailfragen allerdings nicht nur Ländersache, sondern auch Angelegenheit der Kommunen und Gemeinden. Bayerns Landeshauptstadt München legt beispielsweise in den Bebauungsplänen die Möglichkeiten der Grundstücksbegrenzung ganz konkret fest: Zäune und Mauern dürfen hier eine Höhe von 150 Metern nicht überschreiten.

Wie hoch darf ein Zaun an der Straße sein?

Bei Zäunen, die nicht die Grenze zum Nachbargrundstück markieren, sondern an die Straße beziehungsweise den Gehsteig flankieren, wird von Einfriedung gesprochen. Abhängig davon, an welche Art öffentlicher Verkehrsfläche das Grundstück grenzt, ist je nach Bundesland eine gewisse Höhe nicht zu überschreiten. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise darf der Zaun nicht höher als einen Meter sein, wenn er als Außengrenze fungiert und eine öffentliche Verkehrsfläche flankiert.

Wie hoch darf Sichtschutz an der Grenze sein?

Als Sichtschutz gelten nicht nur blickdichte Zäune, sondern auch Hecken und Bäume, die an der Grundstücksgrenze zum Nachbarn verlaufen. Für sogenannte „lebendige Einfriedungen“, also Bäume und Hecken, gelten dieselben Vorschriften und Bestimmungen wie für Zäune. Als Sichtschutz eingesetzt dürfen Zäune, Hecken und Mauern landesweit etwa 170 bis 190 Zentimeter hoch sein.

Grundsätzlich werden die erlaubten Zaun- und Sichtschutzhöhen von den Ländern, teilweise auch von den Kommunen und Gemeinden festgelegt. Wenn Sie jedoch keine extravaganten Bebauungen anvisieren, können Sie sich einfach an dem in der Nachbarschaft vorherrschenden Erscheinungsbild orientieren – denn das tun Länder und Kommunen auch. In der Regel sind Grundstücksgrenzen – ob als Zaun oder als „lebendige Einfriedung“ in Form einer Hecke – mit einer Höhe von bis 180 Zentimetern kein Problem, sofern sie als Sichtschutz dienen. Im Zweifelsfall sind Sie bei einer Rechtsberatung gut aufgehoben.

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